Patrick Hertweck - Maggie und die Stadt der Diebe

"»Die Vergangenheit lauert uns auf. In Rissen und Spalten der Realität, in Fieberträumen, in versteckten Winkeln unserer Innenwelten. Sie wartet nur auf einen unbedachten Schritt, um uns zu sich hinabzuziehen.«" S.50

Verlag: Thienemann
Seiten: 300

Warum dieses Buch: Ich habe so viel Gutes über dieses Buch gehört, einen Leserpreis hat es ja auch gewonnen und das Cover hat mich auch sehr angesprochen. Es hat mich irgendwie an die Uralte-Metropole-Bücher erinnert. Und die liebe Yasi hat es mir dann geborgt.

Das sagt der Klappentext: New York, 1870
Kalt und düster ist es in den Slums von Manhattan. Ziellos irrt Maggie durch schmutzige Gassen voller Bettler. Sie ist heilfroh, als sie bei einer Bande junger Diebe Unterschlupf findet. Schon bald fühlt sie sich dort wie zu Hause. Bis eine gemeinsame Diebestour sie zu einem Kirchturm führt, der schlimmste Erinnerungen in ihr wachruft. Maggie muss sich endlich ihrer Vergangenheit stellen. Doch Licht ins Dunkel kann nur einer bringen: der sagenumwobene Herrscher über die New Yorker Unterwelt.

Das sage ich: Es tut mir leid. Ich hatte wirklich gehofft, von diesem Buch begeistert zu sein. Die Atmosphäre auf dem Klappentext klang so vielversprechend, die vielen positiven Rezensionen so mitreißend... Aber irgendwie konnte es mich einfach nicht richtig fesseln. Dabei habe ich echt versucht mich darauf einzulassen. Doch der Funke sprang einfach nicht über.

Ohne große Vorreden werden die Leser mitten in die Handlung geworfen. Sie lernen die Protagonistin schon auf der ersten Seite kennen und fragen sich gleich, was wohl ihr Schicksal gewesen ist.
Und das ist schon mein erster Kritikpunkt. Man erfährt es einfach nicht. Gut, die Geschichte behandelt genau dieses Rätsel: Das Rätsel um Maggies Herkunft. Aber ich hatte das Gefühl, das bis zu den letzten paar Kapiteln dahingehend nichts so richtig weiter geht. Eigentlich erfährt man überhaupt nichts von der Protagonistin, man lernt sie nicht recht kennen. Dabei hätte die Figur Potential gehabt und ich hätte gerne etwas über ihre Zeit im Waisenhaus gelesen. Dann hätte sie vielleicht mehr Identifikationspotential geboten und die Handlung wäre dadurch auch nicht weiter gestört worden. Dadurch, dass sie als Figur so wenig beschrieben ist, fand ich auch ihre Handlungen und Denkweisen nicht nachvollziehbar.

Einige Nebenfiguren sind mir mehr ans Herz gewachsen als die Protagonistin. Mit Goblin, dem Kopf der Diebesbande konnte ich viel mehr mitfühlen, obwohl auch seine Geschichte bis zum Ende nicht bekannt war. Besonders gemocht habe ich übrigens Silence, ein Mädchen aus Maggies Diebesbande... Leider hat man auch ihre Geschichte nicht wirklich erfahren.

Stattdessen plätschert die Handlung um das Rätsel um Maggies Herkunft so herum, ohne dass besonders viel passiert, bis es schließlich zum Showdown kommt. Die letzten Kapitel fand ich zugegeben sehr, sehr spannend... Trotzdem hat mich sogar während der spannenden Passagen das eine oder andere Detail gestört. Woher kommt zum Beispiel dieses Phänomen, dass Bösewichte immer kurz vor ihrem Sieg einen wahnsinnigen Monolog über ihre Brillanz halten müssen? Das nervt mich doch in Filmen schon... Jetzt muss ich es auch noch lesen...
Und nach dem spannenden Teil folgte das richtige Ende, dass sich wieder unerträglich in die Länge gezogen hat.

Außerdem hatte ich den Eindruck, dass kleine Handlungsschnipsel relativ unüberlegt einfach dorthin platziert wurden, wo es gerade passt. So stellt Maggie zum Beispiel das eine oder andere Mal eine Frage, die sie logischerweise schon viel früher hätte stellen müssen. Um das zu begründen wird einfach ein "seltsamerweise hatte sie noch nicht danach gefragt" o.ä. eingeführt. Ja, so kann man es auch machen...
Ebenso werden (auch gerne mal durch Zeitsprünge) Dinge ausgelassen. Damit dann alle Figuren auch im Bilde sind gibt es ein "das hatte sie ihnen gleich am nächsten Tag erzählt" hingeknallt.
Hier gehe ich lieber nicht weiter ins Detail, denn ich möchte niemandem die Lust an der Geschichte dadurch verderben, dass er sich auf die Suche nach meinen Kritikpünktchen macht.

Die meisten Leser haben das Buch ja schlichtweg geliebt und die Geschichte birgt auf jeden Fall Potential. Mein Hauptproblem war einfach, dass sie es nicht geschafft hat, mich zu fesseln und dadurch habe mich mich auf andere Kleinigkeiten konzentriert.
Gerade solche Kleinigkeiten sollten in einem Kinderbuch vielleicht aber auch keine Rolle spielen. Aber ist Maggie und die Stadt der Diebe überhaupt ein Kinderbuch? Auf der einen Seite fand ich schon, denn gerade bei der Auflösung der vielen Rätsel ist so manche Motivation der handelnden Figuren eher platt.. Platt, aber völlig in Ordnung und passend für ein Kinderbuch. Auch dass es - obwohl es in einem solchen Mileu spielt - praktisch ohne Gewalt auskommt spricht dafür.
Auf der anderen Seite fand ich die vielen Namen, die vielen wenig spannenden Passagen und die ungenau gezeichneten Figuren nicht kindgerecht. Ich zumindest hätte das Buch auch als Kind nicht besonders prickelnd gefunden, glaube ich.
Wenn ich Maggie und die Stadt der Diebe für mich persönlich eindeutig als das Eine oder Andere hätte identifizieren können, hätte ich meine Bewertung vielleicht auch noch angepasst. So kann ich nur sagen: Die Geschichte hat Potential, aber auch wenn die Atmosphäre teilweise doch ganz gut eingefangen worden ist, fehlt mir einfach zu viel um es zu mögen.



Kommentare

  1. Uuuuuuuh du hast mich ja verlinkt 😍
    Mich hat es auch nicht wirklich gefesselt und ich bin ja echt nicht weit gekommen bis jetzt ;-D mal schauen :P

    Bussiiiiii 😘

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen