Sören Sieg und Axel Krohn - »Ich hab dich rein optisch nicht verstanden«

"Nee echt. Heute kann man nicht mal mehr vernünftig verarscht werden. Da läuft was schief in unserer Gesellschaft." (S. 129)

Verlag: Ullstein Taschenbuch
Seiten: 204

Warum dieses Buch: Ich war letztens in einer Buchhandlung - schlechte Idee. Ich bin meinem üblichen Kaufrausch verfallen und habe nebenbei noch dieses hier mitgenommen...

Das sagt der Klappentext: »Da geh ich mit Ihnen chloroform.« Dialoge aus dem wahren Leben
In Deutschland wird jede Menge Stuss geredet. Streitgespräche auf offener Straße, Missverständnisse an der Käsetheke, pseudointellektuelle Philosophievorträge im Café - Mal skurril und verquer, mal einfach witzig, mitunter überraschend tiefsinnig - so lesen sich die Dialoge aus Deutschlands Alltag, die Sören Sieg und Axel Krohn mitgehört und aufgeschrieben haben. 

Das sage ich: Der Mensch ist ein trauriges Tier, das sich wäscht. Oder so ähnlich. 

Es gibt in Deutschland - und auf der Welt - halt einfach unglaublich viele Menschen. Den Großteil von ihnen kann man wegen sprachlichen Differenzen ohnehin nicht verstehen. Wenn man sie aber versteht, endet es oft damit, dass man händeringend die Flucht ergreifen möchte. Denn oft ist es kaum auszuhalten wie viel Blödsinn so ein Mensch reden kann. Und wenn wir in uns gehen, haben wir bestimmt auch schon mal eine Situation erlebt, in der wir selbst - meist im Nachhinein - draufgekommen sind, dass wir gerade ganz schönen Blödsinn geredet haben. In solchen Situationen wünscht man sich nichts sehnlicher als entweder im Boden zu versinken oder - natürlich - von einem Buchautor belauscht zu werden, der das eben getätigte blöde Zitat in einem Buch über Blödheit verwendet, wo die ganze Mensch über einen lachen kann. Natürlich anonym, also halb so schlimm.

Genau das haben die Autoren hier gemacht. Und mit zugegeben etwas bissigen Zwischenkommentaren versehen. Es ist aber auch wahr, Menschen geben den lieben langen Tag allzu viel Unsinn von sich. 

Das Buch liest sich richtig schnell - klar, es gibt ja auch keine Handlung, der man folgen muss. Nur kurze Dialoge, die zum Schmunzeln anregen. 
Leider aber auch wirklich nur zum Schmunzeln. Da hätte ich mir mehr erwartet! Ich dachte, ich würde so oft so laut loslachen, dass ich das Buch nicht in einem Wartezimmer beim Arzt lesen könnte ohne in Erklärungsnotstand zu geraten. Doch leider ging das. 
Richtig zum Brüllen komische Beiträge gab es nur selten. Meiner Meinung und Erahrung nach liegt das allerdings nicht daran, dass der Mensch an sich nur selten richtig Lustiges von sich gibt. Oh nein, da hätte sich sicher noch einiges gefunden, vielleicht hätte man nur länger daruf warten müssen...

Die bissigen Passagen zwischen den Kapiteln sind fast am Lustigsten. 
Hierbei definieren die Autoren übrigens vierzehn verschiedene Menschentypen, denen man im Leben so begegnen kann. Am Ende des Buches findet sich ein Test, der einem dabei hilft herauszufinden zu welchem Typ man selbst gehört. Die Frage dabei lautet, wie man reagiere, wenn die Gemüsehändlerin einem erkläre sie hätte keine Fleischtomaten mehr. Leider gab es die Antwortmöglichkeit "Oh, das ist aber schade. Danke!" nicht. Darum weiß ich bis heute nicht, was für ein Typ ich wirklich bin. Vielleicht noch am ehesten der Kommunikationskünstler, der ob den ausverkauften Fleischtomaten sagt: "Äh, ich hab grad nicht zugehört. Der Fleischbraten ist ausgelaugt?" (S. 196)



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