Mechthild Gläser - Die Buchspringer

"»Einer der Zwerge macht Probleme. Er hat sich in den Kopf gesetzt, die anderen zu verlassen und eine Eisdiele zu eröffnen. Ich versuche schon seit Wochen, ihn zur Vernunft zu bringen. Schneewittchen und die sechs Zwerge klänge echt dämlich.«" S. 46


Verlag: Loewe
Seiten: 380

Warum dieses Buch: Ein Buch in dem es um Bücher und die Liebe zur Literatur und Lesen geht. Muss ich wirklich noch mehr sagen?

Das sagt der Klappentext: Auf Schir Khans Rücken durch das Dschungelbuch jagen, mit Goethes Werther die Hexen aus Macbeth bekämpfen und mit Elizabeth Bennet für den gut aussehenden Mr. Darcy schwärmen ... Nie hätte Amy gedacht, dass sie den Figuren aus ihren Lieblingsbüchern so nah sein könnte! Doch sie ist eine Buchspringerin, und damit ist es ihr möglich, wirklich und wahrhaftig in jede Geschichte einzutauchen, die sie schon immer einmal selbst erleben wollte. Amy testet ihre neue Fähigtkeit ausgiebig - bis in der Buchwelt plötzlich gar nichts mehr so ist, wie es sein sollte.

Das sage ich: Die Lieblingsgeschichten aus der literarischen Welt selbst erleben und in ihnen herumspringen... Das klingt ja schon mal nach einer wunderbaren Idee.

Bekanntschaft mit verschiedenen Buchfiguren machen und von Seite zu Seite und Buch zu Buch springen.

An sich ist die Welt, die Mechthild Gläser andeutet einfach unglaublich toll und lässt das Herz eines jeden Lesers höher schlagen. Immerhin begegnet man Werther, Peter Pan und Gregor Samsa auf einer ganz anderen literarischen Ebene...  Auch macht das Lesen von Die Buchspringer die Lust am Lesen und am Entdecken neuer Bücher noch größer! Man will sofort in die nächste Buchhandlung/Bibliothek/ins Internet um sich mit verschiedensten Werken einzudecken.

Leider fand ich die Umsetzung dieser großartigen Idee nicht so berauschend. Hauptfigur Amy erfährt, dass sie aufgrund ihrer Herkunft eine Buchspringerin ist und eben über das Talent verfügt sich als reale Leserin in der literarischen Welt zu bewegen. Da sie erst im Teenageralter von dieser Fährigkeit erfährt kostet sie diese auch gleich so richtig aus - und zwar ohne Nachzudenken und ohne Rücksicht auf Verluste. Die literarische Welt scheint keine Regeln zu kennen. Zwar werden am Anfang einige Richtlinien genannt, an die man sich als Buchspringer zu halten habe, aber obwohl Amy nach und nach alle dieser Richtlinien ignoriert hat das keine Konsequenzen.

Es ist also scheinbar völlig egal was Amy in der Buchwelt so treibt. Da fragt man sich aber doch, was die anderen beiden Buchspringer Will und Betsy in den vergangenen Jahren (!) im Buchspringer-Unterricht gelernt haben.
Die Buchwelt und auch der Vorgang des Buchspringens an sich hätte noch so viel hergegeben, eine ganz eigene Welt hätte erschaffen werden können. Stattdessen ist die Idee nur die Idee. Ohne jede Erklärung und nähere Beschreibung. Keine Welt, in der man sich wiederfinden könnte.
So ist zum Beispiel kaum beschrieben, wie der Vorgang des Umblätterns vor sich geht und es ist schwer sich vorzustellen, wie Amy sich mit ihrem Freund in waghalsigem Tempo von Seite zu Seite blättert.

Leider bleibt so Vieles unerklärt und die Leser allein mit unerfüllten Hoffnungen und Fragen.
Außerdem erschien mir so einiges nicht richtig schlüssig und teilweise sogar wiedersprüchlich. Oft war es auch nur ein Gefühl, dass da einfach etwas fehlt. Dazu kommt noch ein übertriebenes und für mich auch ein wenig unlogisches Ende...

Zwar waren die Figuren lustig und sympathisch, man fiebert trotz allem sehr mit ihnen mit. Und ich kannes nur nochmal sagen: Die Idee, die dem Roman zugrunde liegt ist einfach wunderschön. Die Umsetzung halt nicht. Man hätte so viel mehr draus machen können...


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