Warwick Collins - Herren

"Martha drehte sich auf den Rücken und sah an die Decke. Ez war, als schwebten sie gemeinsam in der Dunkelheit, durch ihre Gedanken aneinander gefesselt." S. 53

Verlag: Verlag Antje Kunstmann
Seiten: 139
Originaltitel: Gents

Warum dieses Buch: Ich glaube, ich habe das Buch vor gefühlten hundert Jahren einmal bei einer Tombola gewonnen. Oder so. Jedenfalls fand ich die Covergestaltung so unerträglich hässlich, dass ich es nicht ein einziges Mal in die Hand genommen hatte, außer um es von ein Bücherregal in ein anderes zu stellen. Immerhin hat das Buch so drei Umzüge miterlebt...
Jetzt habe ich es für die Themen-Challenge gelesen, für die Aufgabe "Eines der fünf Bücher, die schon am längsten ungelesen in deinem Regal stehen"
Ich glaube, ich habe dieses Buch etwa seit 2002...

Das sagt der Klappentext: Nachmittags saßen Ez, Reynolds und Jason in Reynolds' Büro. "Wie war dein erster Tag?" fragte Reynolds.
"Mir ist was Komisches passiert", sagte Ez.
Reynolds nippte an seinem Tee. "Was denn?"
"Ich will in ne Kabine - na ja. Es war grad jemand rausgekommen, drum dachte ich, sie ist jetzt frei. Ich mach die Tür auf... da kommt noch einer raus."
Reynolds sah ihn prüfend an. "Und?"
"Ich kapier das nicht. Zwei Mann in einer Kabine."
Reynolds nippte an seinem Tee und knabberte an seinem Keks. "Was kapierst du nicht?"
"Der eine sitzt aufm Klo, der andere wartet. Wieso wartet er nicht draußen?" Ez sah Reynolds an. Allmählich ging ihm ein Licht auf. Reynolds betrachtete ihn. In Ez' Gesicht arbeitete es angestrengt.
"Ihr meint...", begann Ez.

Das sage ich: Die Handlung dieses dünnen Buches lässt sich mit nur wenigen Sätzen zusammen fassen. Noch leichter wird es, wenn man nicht zu viel verraten möchte. Es geht um drei Männer, die in einer öffentlichen (Herren-)toilette arbeiten.

Nicht weniger und auch nicht viel mehr.
Die drei Kollegen müssen sich mit der Welt, die sich bei ihrer Arbeit auftut irgendwie auseinander setzen. Ein zentrales Problem sind Besucher, die die Toilette für diverse zwischenmenschliche Aktivitäten nutzen, für die sie primär nicht gedacht ist.

Die Figuren in diesem Buch sind nur wenig detailliert ausgearbeitet. Der Schreibstil ist trocken und kommt mit kurzen Sätzen und ohne langwierige Monologe aus. Das ist interessant, weil ein wesentlicher Punkt der Handlung die Positionierung der Figuren zu gewissen gesellschaftlichen Moralvorstellungen ist. Das klappt auch ohne lange Monologe ganz gut.
Der viel zitierte Witz, von dem ich in verschiedenen Rezension lesen konnte, ist leider an mir vorbei gegangen, ohne sich zu Wort zu melden. Der Ort der Handlung, besagte Herrentoilette, ist allerdings mal etwas Anderes.

Und das wars schon. Ich kann zu diesem Buch wirklich nicht viel mehr sagen. Es war nicht wahnsinnig gut, dafür war es nicht spannend oder lustig genug und dafür waren mir auch die Figuren zu langweilig. Es war aber auch überhaupt nicht schlecht, denn der trockene Schreibstil, die subtil behandelten Themen und die ebenso subtile Gesellschaftskritik passen gut zum Ort der Handlung: Einer Toilette, wo man lieber nicht so genau hin sieht und nur möglichst wenig berühren möchte.

Mit seinen knappen 140 Seiten ist das Büchlein aber auch wirklich dünn und es liest sich sehr leicht. Trotz Gesellschaftskritik und philosophischen Hintergrundes plätschert die Handlung so leicht dahin wie eine Klospülung. Also ganz nett für zwischendurch, würde ich sagen.


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