E.L. James - Fifty Shades of Grey

"Oh, his distraught look as I left. I was so cruel, shocked by the savagery... will he forgive me... will I forgive him? My thoughts are all haywire and jumbled, echoing and bouncing off the inside of my skull. My subconscious is shaking her head sadly, and my inner goddess is nowhere to be seen. Oh, this is a dark morning of the soul for me. I'm so alone" S. 507



Verlag: Arrow
Seiten: 560

Warum dieses Buch: Schon als das Buch erschienen ist bzw. als es zu einem Bestseller wurde, habe ich mir gedacht, dass ich dieses Phänomen gerne verstehen würde. Da ich aber aus meinem engeren Umfeld nur schlechtes gehört hatte und mich das Thema auch nicht sonderlich interessiert, wollte ich mir das Teil einfach nie kaufen und den Hype eher boykottieren.
Tja. Und dann...
Aufmerksame Leser meiner Über-Mich Seite wissen nun vermutlich, dass ich um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, meine Zeit überwiegend in einem Kino verbringe. Und kaum jemandem wird es entgangen sein, dass der Film zu diesem Buch alle Rekorde gebrochen hat. Es war Wahnsinn. Es war die Apokalypse. Es war unaussprechlich abartig. Nun war ich überzeugt davon, dass ich das Buch lesen und den Film sehen muss, um diese Hysterie verstehen zu können und mir eine eigene Meinung zu bilden. Kaufen wollte ich es mir immer noch nicht, glücklicherweise war eine Arbeitskollegin bereit, mir ihr Buch zu borgen...

Das sagt der Klappentext: When literature student Anastasia Steele interviews successful entrepreneur Christian Grey, she finds him very attractive and deeply intimidating. Convinced that their meeting went badly, she tries to put him out of her mind - until he turns up at the store where she works part-time, and invites her out.

Unworldly and innocent, Ana is shocked to find she wants this man. And, when he warns her to keep her distance, it only makes her want him more.

But Grey is tormented by inner demons, and consumed by the need to control. As they embark on a passionate love affair, Ana discovers more about her own desires, as well as the dark secrets Grey keeps hidden away from public view...

Das sage ich: Ich habe versucht so unvoreingenommen wie möglich an dieses Leseerlebnis heranzugehen. Ich bin auch ganz zufrieden, auch wenn es mir vielleicht nicht vollständig gelungen ist.


Gleich vorweg: Es ist mir immer noch ein Rätsel, wieso dieses Buch SO DERARTIG einschlagen konnte.
Der Schreibstil ist zwar nicht so grottig, wie ich erwartet hatte, aber ein Charles Dickens ist die gute Autroin wohl einfach auch nicht. Zudem hat sie ihre Lieblingsausdrücke, die sie immer und immer wieder bedient... ein paar Variationen wären mir willkommen gewesen.

Die Figuren sind der Punkt, an dem ich am Meisten zu bemängeln habe, gleichzeitig befürchte ich, nicht die richtigen Worte zu finden. Ana ist eine schüchterne und tollpatschige Literaturstudentin die mich ein bisschen an Rory Gilmore erinnert hat. Sie ist zwar von Selbstzweifeln geplagt, aber im Grunde weiß sie, was sie wert ist und sie hat ihren Stolz. Im Laufe des Buches verfällt sie diesem komischen Typen und macht immer mehr Dinge, die einfach nicht zu ihr passen. Und damit meine ich gar nicht dieses ganze sexuelle Tamtam. Sie lässt sich mit alten Büchern, Autos, Laptops und Telefonen überhäufen und piepst nur blöd, dass sie diese Dinge nicht als ihre behalten will und benutzt sie dann doch ständig. Vor allem an dem Punkt, an dem Christian sich durch exzessives Stalking solche Geschenke erlaubt, hätte die Figur in meinen Augen einfach anders reagieren müssen. Ihre Reaktion passt nicht zu ihr.
Grundsätzlich lässt sich die Motviation Anas den Großteil des Buches nur sehr schlecht nachvollziehen. Erst gegen Ende wird es einigermaßen klar, wieso sie sich aufführt wie eine verliebte Zwölfjährige. Bis dahin ist aber seitenweise Kopfgeschüttel notwendig.
Anas Tollpatschigkeit ist übrigens einen Tick zu slapstickartig. Ihr könnt mir glauben. Ich habe sicher jeden Tag 12 neue blaue Flecken, weil ich gegen irgendwelche Tische oder Regale laufe, ich bin die Königin der Tollpatschigkeit. Und selbst ich habe es nie geschafft kopfüber in ein Büro zu fallen. Solche Stunts passen irgendwie nicht zum restlichen Ton des Buches.
An der anderen Hauptfigur, Christian, gibt es weniger zu bemängeln. Er ist ein eingebildeter, unsymathischer Millionär, der auch seine guten Seiten hat. Alles, was an ihm unklar erscheint wird mysteriös genannt und man wird damit abgespeist, dass der Gute wohl Gründe für sein Verhalten hat, von denen wir als Leser nun einmal nichts wissen. Aber es gibt sie! (DER Grund, den zweiten Teil zu kaufen.)

Die Geschichte ist wenig spannend, eigentlich passiert die 500 Seiten lang nur sehr wenig. Es ist ein einziges Herumdrehen um die Frage, ob sich das Mädchen nun für den Jungen, den es liebt, um 180 Grad ändern wird. Zwischendurch gibt es ermüdende Sexszenen ("He touched me there, he touched me there") und das alles ohne auch nur einmal ein Geschlechtsteil beim Namen zu nennen. Herrje.
Dass die Autorin offensichtlich nur wenig Ahnung von der BDSM Szene hat, ist ja bereits hinreichend diskutiert worden. Ich finde es auch fragwürdig, dass Christians Vorlieben als krankhaft klassifiziert werden und mit seiner schlimmen Vergangenheit begründet werden sollen.... Dieser Teil der Trilogie hält sich mit seinen Urteilen aber noch zurück, also werde ich dieses Thema auch nicht breit treten.

Es gibt aber auch etwas an Fifty Shades of Grey, das mir sehr gut gefallen hat: Das waren die ständigen Begleiter der Hauptfigur. Ihre "Inner Goddess", die sich gerne mal ängstlich unter dem Sofa versteckt und ihr "Subconscious", ihr weibliches Unterbewusstsein, das oftmals rügend den Finger gegen Ana erhebt.

Alles in Allem fand ich die Geschichte einfach nicht stimmig. Es ist schwer zu beschreiben. Bei der Hauptfigur habe ich es ja schon versucht. Irgendwie passt das alles nicht, man hätte die Geschichte besser umsetzen können. Die Motivationen der Figuren besser ausarbeiten und die Handlung ein wenig komprimieren... Positiv muss ich aber trotzdem anmerken, dass der erste Teil es schafft, dass man auf den Zweiten neugierig wird. Man gewinnt die Figuren trotz allem irgendwie lieb und möchte wissen, wie es mit ihnen weiter geht. Ich schwanke zwischen zwei und drei Punkten...
Ich entscheide mich für drei.




Kommentare

  1. Hach ja, Shades of Grey.... wie sehr ich dieses Buch doch nicht mag. >.<
    Ich kann den Run auf die Filme ja nicht verstehen, aber das ist ja auch nicht verwunderlich. Obwohl ich das Buch so schlecht fand, werde ich aber vermutlich den Film doch irgendwann mal anschauen. Nur so aus Neugier, ich kenn mich ja. Ich habe allerdings sehr sehr geringe Erwartungen :D

    Über Schreibstile lässt sich ja streiten, weil es zum Glück Geschmackssache ist. Ich fand ihn leider echt schlecht. Getoppt wird dieser Kritikpunkt nur von Ana und ihrer nervigen inneren Göttin.

    :D Kopfüber in ein Büro fallen finde ich auch schwierig, aber aus dem Auto raus geht's. Hab ich erst letzte Woche ausprobiert. Klappt, tut aber scheiß weh... :D

    Oh, ich seh grad die Inner Goddess hat dir gefallen. Ehm ja... Wie schon gesagt ich fand sie irre nervig.
    Mein Fall war das Buch absolut nicht, aber man kann ja auch nicht alles mögen ;)

    Beste Grüße,
    Julia

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    1. Huhu! Danke für deinen Kommentar! Freut mich, dass ich durch die lange Stille hier nicht alle Leser verloren habe :D

      Haha, ja, gut war das Buch leider wirklich nicht... Aber ich hätte es mir sehr viel schlimmer vorgestellt. Angesichts des Hypes, den das Buch ausgelöst hat, hätte man ihm wohl keine Punkte geben sollen, denn so großartig wie alle tun, ist es auf keinen Fall.
      Aber so schlimm fand ich es gar nicht... Obwohl ich gut verstehen kann, dass du es so gar nicht magst...

      Ha, die Inner Goddess, die hab ich mir immer wie die Venus von Willendorf vorgestellt und hab mich kaputt gelacht, wenn das Ding sich unter dem Sofa versteckt ;)

      Liebe und verschnupfte Grüße, und fall nicht wieder aus Autos raus! (Sonst ziehst du womöglich noch versnobbte Geschäftsmänner an... die stehen auf sowas!)

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    2. Mist, Kommentar verschwunden.
      Ich gebe mir Mühe, aber meistens fahre ich eh Fahrrad ;) Solche Geschäftsleute gibt es hier zum Glück eher nicht, dazu ist die Stadt viel zu klein :D

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