Tim Curran - Zerfleischt

„Oh, ich verstehe. Sie denken, dass ich dieses Kind überfallen habe? Na ja, ja, das ergibt einen verdammten Sinn, oder? Mir war nach der Arbeit langweilig, also habe ich das Kind erschlagen und sie dann angerufen und eine Geschichte über eine graue Limousine und zwei Typen mit Baseballschlägern erfunden. Okay, Sie haben mich. Ihr Verstand ist scharf wie eine Rasierklinge, Kojak.“ „Kojozian“ verbesserte er und verstand die Anspielung überhaupt nicht." (S.16)


Verlag: Festa Verlag
(ebook)
Originaltitel: The devil next door

Warum dieses Buch: Ich habe keine Ahnung. Irgendwie bin ich wohl darüber gestolpert und es war so wie mit Horrorfilmen... Eigentlich will man sie gar nicht schauen, dann schaut man sie doch und dann ärgert man sich. So geht es mir jedenfalls. Aber so Splatterfilme fand ich schon immer recht lustig, darum hatte ich wohl mal Lust ein Splatterbuch zu lesen... Hätte ich mir aber auch sparen können, eigentlich...

Das sagt der Klappentext: Der ultimative Thriller! Wenn Lesen zur Mutprobe wird ...
Kannibalismus, Mord, Vergewaltigung - wenn die Zivilisation endet, wird die Erde zur blutbesudelten Hölle. Und der Mensch wird weniger Mensch sein.
Dieser Roman des Amerikaners Tim Curran ist ein Albtraum von epischem Ausmaß - ohne einen Spritzer Mitleid.

Das sage ich:
Es gibt den Horror, und es gibt den kursiv geschriebenen Horror.
Ich gebe zu, ich habe vorher zu viele Rezensionen gelesen und war dadurch ein bisschen voreingenommen. Vielleicht war das auch mit ein Grund, warum ich am liebsten mittendrin aufgehört hätte... Aber ich habe vor langer Zeit einmal den Vorsatz gefasst keine Bücher abzubrechen, also hab ich mich durchgearbeitet. Tja.

Leider habe ich das Buch nicht im Original gelesen. Hätte ich das getan, hätte ich mich vielleicht nur an der platten Handlung gestört.. und daran, dass fortwährend immer wieder das Gleiche wiederholt wird, um das Buch in die Länge zu ziehen. Aber ich habe die Übersetzung gelesen. Ein böser Fehler, glaube ich. Jetzt weiß ich nämlich nicht, ob der Autor einfach nur ganz, ganz schlecht schreibt, oder die Übersetzer der deutschen Sprache nicht mächtig sind....

Zerfleischt trieft nur so vor Fehlern. Am Schlimmsten fand ich die Stilblüten, die mir meine Deutschlehrerin immer ausgebessert hat, als ich mit fünfzehn in der Schule gesessen bin. "Die ganzen Kreaturen der Nacht zogen sich in ihre Höhlen zurück" (S.4) Vielleicht war meineDeutschlehrerin ja übersensibel und hat mich da mit hineingezogen... aber... die ganzen Kreaturen der Nacht??? Das klingt doch bitte einfach nicht schön. Und ebendiese Satzkonstruktion zieht sich durch das ganze Buch. Wirklich. Ständig wird das verwendet. Falls ich da wirklich übersensibel reagiert habe, macht das auch nichts, denn es gab noch genügend andere Konstruktionen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. "Es gab noch einen ganzen Raum zum Überprüfen" (S. 112) Warum? ZUM Überprüfen? ZU Überprüfen klingt doch bitte tausend Mal besser. Wen das auch nicht überzeugt, dem sei versichert: Es finden sich auch Zeitenfehler und merkwürdige Wortstellungen... Aber ich habe sie nicht alle aufgeschrieben, denn irgendwann ist mein Geduldsfädchen gerissen.

Na gut. So viel also dazu. Fairerweise muss ich aber sagen, dass auch eine gute Übersetzung das Buch vermutlich nicht hätte retten können. Ich gehe davon aus, dass auch das Original sprachlich kein Kunstwerk ist.
Wenn man auf die unendlichen Wiederholung des immergleichen Ereignisses (Menschen drehen durch und bringen sich gegenseitig um) verzichtet hätte, hätte man das Teil auf fünfzig Seiten drucken und vielleicht Wälder retten können. ;) Aber dann hätte der Autor 300 Seiten weniger über Blut und Mord und dergleichen schreiben können. Vielleicht wurde er ja nach Seiten bezahlt, vielleicht liegt es aber auch am Genre. Denn was wäre so ein Splatterbuch, wenn man nicht 300 Seiten lang splattert? Na gut. Aber besser wird es dadurch nicht. Vor allem, weil sowieso meistens nur das Gleiche passiert.

Was bleibt also, wenn man das Buch also vor dem Hintergrund seines Genres betrachtet, und ohne die gruselige Übersetzung miteinzubeziehen? Ja, also es ist eben gut gesplattert (so ein schönes Wort!) und ich gebe zu, dass ich auch ein bisschen neugierig auf das Ende war. Dann kam das Ende. Und es hat zwar irgendwie gepasst, aber ich habe mir mehr erwartet.
Zwischen Anfang und Ende steht übrigens nur ein großer Haufen Splatterzeugs, ohne eine richtige Geschichte, die den Leser fesseln könnte. Und das ist wohl der Hauptkritikpunkt, den ich vorzubringen habe.
Außerdem wird der Leser durchgehend damit konfrontiert, dass ich die Menschen - möglicherweise aufgrund eines "rezessiven Gens" - zu dem zurückentwickeln, was sie einmal gewesen sind, zu "Ur-Bestien", zu "Tieren". Das ist der rote Faden, der sich durch den ganzen Roman zieht. Dass Tiere in der Regel keine "Ur-Bestien" sind (vor allem Wölfe bekommen völlig ungerechtfertigt ihr Fett weg in diesem schrecklich hinkenden Vergleich) und dass sich auch die Menschen in der Steinzeit meines Wissens nicht so aufgeführt haben wie diese Zombiewesen in Zerfleischt, wird geflissentlich verleugnet.
Ich habe mich auch an Kleinigkeiten gestört, die mir einfach unpassend erschienen sind. So laufen diese Zombiemenschen ganz gerne auf allen Vieren herum (weil sie ja so sind wie ihre Urahnen, nicht?). Aber wie sollen sie denn das durchhalten von heute auf morgen nicht mehr nur auf zwei Beinen zu Laufen? Und wie sollten sie durchhalten - von heute auf morgen - rohes Fleisch zu essen? Das kann doch... also... na gut. Es soll so sein, hat mich aber genervt. Dass dann immer dieselben Worte und Sätze wiedergekäut werden, macht es dann nur noch anstrengender.

Und darum muss ich abschließend sagen: Der Klappentext spricht (!) von "Lesen als Mutprobe". Na gut, man kanns ja mal versuchen... Man erwartet dann ja auch nichts anderes, als "Schaut mich an, ich will euch schockiiiieren!" ... Auch wenn das Buch innerhalb seines Genres vielleicht seine Daseinsberechtigung hat, hat es mich einfach viel zu sehr genervt. Siche,r man graust sich und ist entsetzt über die Dinge die passieren... aber wenn man dabei ständig nur genervt ist... macht das Lesen keinen Spaß mehr, Mutprobe hin oder her. Darum gibts nur einen Punkt. So.





Kommentare

  1. Huhu,

    schade, dass es dich nicht so begeistern konnte. Von Curran habe ich bisher "Verseucht" gelesen und fand es eigentlich ganz gut. "Zerfleischt" subt bei mir noch rum. :)

    LG Steffi

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  2. Hallo!
    Wenn du es gelesen hast, musst du mir unbedingt sagen, wie es dir gefallen hat!
    Ich spiele ja des öfteren mit dem Gedanken Curran noch eine Chance zu geben... Vielleicht auf Englisch. Ich hatte hier echt das Gefühl, dass man sich beim Übersetzen einfach so gar keine Mühe gegeben hat... Mal sehen... :D

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