Jean-Marie Gustave Le Clézio - Der Afrikaner

"Als Kind verfügt man über wenige Worte (und diese Worte sind noch nicht abgenutzt). Adjektive und Substantive standen mir damals noch nicht zur Verfügung. Worte wie wunderbar, unermeßlich, machtvoll konnte ich noch nicht formulieren, nicht einmal denken." (S.10)


Verlag: Carl Hanser Verlag
Seiten: 136
Originaltitel: L'Africain

Warum dieses Buch: Als Le Clézio 2008 den Literaturnobelpreis bekommen hat, wurde mir das Buch von einer Studienkollegin empfohlen. Seitdem steht es in meinem Regal und endlich habe ich mich daran erinnert!

Das sagt der Klappentext: Eine Afrikareise in der Kindheit wurde für Le Clézio zur Initiation. Hier lernte er eine berauschende Freiheit kennen, eine ganz neue welt, die ihn mit ihren fremden Lebensformen, den exotischen Gerüchen und Farben in ihren Bann schlug und nie wieder loslassen sollte. Von dieser Reise erzählt er in diesem Buch undzeichnet dabei ein unvergeßliches Porträt seines Vaters.

Das sage ich: Mit dem Klappentext bin ich mal wieder überhaupt nicht einverstanden. Er schafft es weder, den Ton des Buches wiederzugeben, noch zu erfassen worum es wirklich darin geht...

Le Clézio erzählt nicht nur von einer Afrikareise, sondern von einem für ihn sehr bedeutenden Abschnitt seiner Kindheit, in dem er in Afrika gelebt hat. (Ich finde, es gibt einen bedeutenden Unterschied zwischen der Reise zu einem Ort, einem Urlaub, einem Besuch und dem tatsächlichen Leben in einem Land). Er betont mehrmals, dass er als Achtjähriger eben nicht den Reiz "etwas Exotischem" empfunden hätte, sondern viel eher die Essenz des Ortes mit Gerüchen, Farben und Erscheinungen gespürt hätte.

Aber gut, für den Klappentext kann der Autor ja nichts, kommen wir also zum Punkt:
Der Afrikaner ist wirklich gut und schön geschrieben. Die Sätze sind kunstvoll und schön konstruiert ohne zu lang und gekünstelt zu wirken. Vermittelt wird ein Bild von Afrika aus den Augen eines Kindes oder wie dieses Kind sich vorgestellt hätte, dass es sein Vater gesehen haben könnte. Dabei werden angenehmerweise recht wenig Klischees bedient (auch nicht, um sie zu wiederlegen).
Besondere Bedeutung kommt der Beschreibung der Figur des Vaters zu. Diese Beschreibung wirkte authentisch, aber wenig originell. Denn über den zu strengen, zu autoritären Vater, den das harte Leben in Kriegszeiten gezeichnet hat, hat man schon zu viel gelesen.

Da es sich aber um ein autobiographisches Werk handelt ist Originalität aber auch nicht ganz so wichtig. Mehr gestört haben mich die Zeitsprünge, die das Ganze etwas Verwirrend und chaotisch wirken lassen. Trotzdem ist das Buch einfach gelungen und sehr schön zu lesen. Die abgebildeten Fotos unterstreichen die Handlung und verleihen dem Buch zusätzlich Charakter. Vier Punkte!



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