Freda Warrington - Vaethyr. Die andere Welt


Verlag: Ueberreuter
Seiten: 678
Originaltitel: Elfland

Warum dieses Buch: Wie so oft weiß ich auch bei diesem Buch nicht mehr genau, warum es sich in mein Regal verirrt hat. Vielleicht hat mir das Cover gefallen, vielleicht habe ich es geschenkt bekommen. Jedenfalls habe ich es jetzt gelesen, weil es auf Lovelybooks derzeit eine Bewertung von 2,5 Sternen hat, und ich für die Lovelybooks Themenchallenge 2015 ein Thema gebraucht habe, das eine Bewertung von drei oder weniger Sternen hat...

Das sagt der Klappentext: »Lawrence streckte den Stab aus und berührte die Flanke von Freias Krone. Blitze züngelten sich um den Fels. Ein schmaler schwarzer Spalt tat sich auf. ›Da‹, sagte die Falkenmaske, ›Das Lych-Tor ist offen.  Diejenigen, die hindurchgehen wollen, gehen jetzt rasch hindurch. Aber seid gewarnt, ich werde es schließen und hinter euch verriegeln und der Weg wird erst wieder freigegeben, wenn es mir sicher zu sein scheint - das kann in einem Monat, einem Jahrzehnt oder einem Jahrhundert der Fall sein. Es liegt bei euch‹.«

Das sage ich: Ich weiß nicht mehr, wie sich das Buch in mein Regal verirrt hat. Der Klappentext war es wohl nicht, der mich überzeugt hat...

Das Buch hat es allerdings.

Zuallervorderst: Es geht um Elfenwesen. Und deren Beschreibung ist genau so, wie ich es mag: Naturverbundene, spirituelle Wesen, die gerne um Steinhaufen tanzen und Räucherstäbchen anzünden. Die Zugang zu anderen Realitäten haben und Dinge sehen, die den Menschen verborgen bleiben. Wie zum Beispiel grüne Frauen, die in Bäumen wohnen.
Aber diese Elfenwesen haben trotz allem mit irdischen Problemen und menschlichen Gefühlen zu kämpfen (zumindest die, die hier auf der Erde wohnen...), wodurch man sich, wie ich finde, noch besser mit ihnen identifizieren kann.

So ist das Buch eine Mischung aus Fantasy und Romantik, mal wird seitenweise das eine, mal das andere behandelt. Manch einem mag diese Mischung nicht gefallen oder die Fantasy (oder die Romantik?) zu kurz kommen, ich fand sie jedenfalls ganz, ganz herrlich. 
Wie es bei einem Roman über hippiehafte Elfenwesen sein muss, gibt es großartige Beschreibungen von Landschaften, wie sie von ebendiesen Wesen wahrgenommen werden. Man fühlt sich beim Lesen direkt hineingeworfen in duftende Wälder und Blumenwiesen. Sooo. toooll.

Die Welt, die in Vathyr entworfen wird, hat es mir wirklich angetan. Zum Teil ist es die menschliche Welt, die aber von mehreren Realitätsebenen durchzogen ist, sodass Elfenwesen oft während des alltäglichen Lebens Geister sehen oder Verschiebungen in Räumen wahrnehmen. Außerdem gibt es noch eine ganz andere Welt - durch Portale von der menschlichen Erde getrennt: Die Anderswelt. Dort gibt es Reiche der Luft, des Wassers, der Erde und des Feuers. Alles wird mit Liebe zum Detail beschrieben. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich finde das toll!
 
Auch wenn ich manche Stellen ein bisschen verwirrend fand und das eine oder andere Detail der körperlichen Elfenliebe für meinen Geschmack zu Shades-of-Grey-mäßig beschrieben worden ist, habe ich mich an keinem Punkt gelangweilt. Auch die Teile von Vaethyr, in denen die Elfenwelt (die Anderswelt) keine große Rolle spielt und der Fokus auf die alltäglichen Probleme der Protagonisten liegt, fand ich angenehm zu lesen. Vielleicht liegt das daran, dass die Hauptfigur Rosie viel Identifikationspotential bietet. Einem aufmerksamen Rezensionen-Leser mag nicht entgangen sein, dass das Buch doch ziemlich viele Seiten hat: Die Geschichte beginnt (nach einem kurzen, verwirrenden Auftakt, der einen besonders neugierig macht) als Rosie neun ist. Am Ende ist sie Ende zwanzig. Kein Wunder, dass sie einem ans Herz wächst.

Die Autorin hat es geschafft, eine bezaubernde Welt zu entwerfen und eine Geschichte zu schreiben, die sehr ausführlich beschrieben ist und trotzdem fast durchgehend spannend bleibt. Ein roter Faden zieht sich durch die Geschichte und - das kann ich gerade noch sagen, ohne zu spoilern - ich war ziemlich begeistert vom Ende.... denn... es hätte auch anders kommen können.

Ich verstehe auch die vielen negativen Rezensionen: Ja, das Buch IST stellenweise sehr schmalzig, es IST kein reines Fantasybuch und ja, es IST sehr lang. Natürlich HÄTTE man einiges kürzen können. 
Und TROTZDEM: Ich gebe mit Pauken und Trompeten fünf Punkte. 





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