Craig Thompson - habibi

Verlag: Faber and Faber Ltd.
Seiten: 672

Warum dieses Buch: Ich habe diese Graphic Novel vor einiger Zeit geschenkt bekommen. Ich weiß aber noch, dass ich mir das Buch selber auch fast gekauft hätte, hauptsächlich wegen des schönen Covers und weil es schön dick ist, sodass ich mir schon dachte, dass da eine interessante Geschichte drin steckt.

Das sagt der Klappentext: Sprawling across an epic landscape of deserts, harems, and modern industrial clutter, Habibi tells the tale of Dodola and Zam, refugee child slaves bound to each other by chance, by circumstances and by the love that grows between them. At once contemporary and timeless, Habibi gives us a love story of astounding resonance: a parable about our relationship to the natural world, the cultural divide between the first and third worlds, the common heritage of Christianity and Islam and, most potently, the magic of storytelling.

Das sage ich: Nun, wo fangen wir denn an? Zuerst zum Inhalt: Die Geschichte selbst hatte wirklich alles, was man sich von einer Geschichte wünschen kann.

Neben der Traurigkeit und der Brutalität gibt es genauso lustige Aspekte und schöne Seiten. Romantik wechselt sich mit Tragik ab... Die Gefühlspalette wird komplett bedient. Doch irgendwie steckt in habibi mehr als nur eine Geschichte. Die beiden Protagonisten meistern ihr Leben mithilfe von anderen Geschichten, die - wie der Klappentext bereits suggeriert - zusammen mit ihrer eigenen Lebensgeschichte eine Parabel über (lest nochmal oben nach!) ... eigentlich alles bilden. Über das Leben, die Menschen, Religion und Sexualität.. und so weiter. Alles wirklich sehr gelungen. Also als Kunstwerk.
Als Leseerlebnis muss ich leider trotzdem die viiiiielen endloooooooosen religiösen Geschichten bekriteln; aus diversen religiösen Büchern entnommen. Schön, dass hier verschiedene Religionen miteinander verknüpft werden, aber ich kann mit sowas einfach grundsätzlich nichts anfangen. Irgendwann war einfach ein Punkt erreicht, an dem es mir zu viel wurde, dass die Protagonisten sich ständig mit irgendwelchen Geschichten aus der Bibel (oder sonstwoher) behelfen.
Religiös motivierte Geschichten als der Rettungsanker im tristen Dasein, der moralische Wink mit dem Zaunpfahl, die Erklärung für.. eigentlich eh alles - und dabei aber so unerträglich willkürlich.
 Brr. Aber gut. Das ist dann doch eher meinen komischen persönlichen Vorlieben zuzuschreiben.

Kommen wir lieber zu den Bildern. Das ganze Buch ist dermaßen gut durchdesignt und abwechslungsreich gezeichnet, es ist eine Freude! Der Autor/Zeichner hat es tatsächlich geschafft, dass die Figuren vor meinem geistigen Auge zum Leben erwacht sind und ich wirklich meinte, ihre Stimmen zu hören - auch wenn das jetzt doch eher pathetisch klingt. Hut ab!
Dabei gibt es abwechselnd völlig überladene Seiten, die zum Beispiel die Not und die Gedanken des unter Wahnvorstellungen leidenden Protagonisten bebildern und im Gegensatz dazu wieder fast leere Seiten, in der der Protagonist mit den traurigsten aller Gedanken alleine ist. Wirklich gut!

Alles in Allem finde ich habibi wirklich superschön, besonders die letzten paar Seiten haben es mir angetan. Es regt wirklich zum Nachdenken an und lässt den Leser viele verschiedene Gefühle durchleben. Ich muss aber gestehen, dass ich manche Seiten gegen Ende nicht mehr richtig gelesen habe, wiel ich eben schon genug von dem ganzen religiösen Gedöns hatte, darum ziehe ich einen Punkt ab und gebe vier Hütchen :)


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