Nicki Pawlow - Der bulgarische Arzt

"Ned brieke, Alfred", sagte seine Frau zu ihm.
Ach, s'isch zu schee", stammelte der Alte, "d'Fasner - des isch Hoamad, Aschdrit!" S.393



Verlag: LangenMüller
Seiten: 496

Warum dieses Buch: Ich habe das Buch auf lovelybooks gewonnen und an der Leserunde dazu teilgenommen. Beworben habe ich mich eigentlich aus einer Laune heraus, weil ich das Cover hübsch fand und mir so überlegt habe, dass ich eigentlich noch nie ein Buch gelesen habe, das (auch nur teilweise) in Bulgarien spielt...

Das sagt der Klappentext: Gibt es ein Talent zum Glück?
Es ist Faszination auf den ersten Blick, als Wantscho und Rose sich begegnen: der exotisch wirkende "Mann vom Balkan" und das unbeschwerte Mädchen, das sich im grauen Einerlei des DDR-Alltags nach einem Abenteuer sehnt. Und abenteuerlich werden sie durchaus, die ersten Jahre ihrer Ehe in Bulgarien oder später die Flucht aus der DDR in den Westen. Doch Wantscho ist ein Mensch mit zwei Geischtern: Was ihm als Psychater gelingt, das seelische Leid anderer zu lindern, dem ist er selbst hilflos ausgeliefert. Und von seinem Unglück bleibt auch die Familie nicht verschont. Jahre später begibt sich Tochter Nelli auf Spurensuche: Wer war dieser Vater, der ihr ein Leben lang so nahestand und zugleich fremd blieb?


Das sage ich: Das Buch ist eine autobiographisch angehauchte Erzählung über das Leben einer Familie. Im Zentrum steht der in Bulgarien geborene Vater, der zur Schwermut neigt und dadurch sich und seine Familie sehr belastet.



Stellenweise fühlte ich mich beim Lesen viel mehr an eine Autobiografie erinnert, als an einen Roman. Es gibt viele Passagen, in denen eigentlich ziemlich wenig passiert, die Protagonisten leben halt so vor sich hin. Gerade der Anfang machte es einem nicht leicht, in die Geschichte einzusteigen. Da fielen lauter Namen, unzählige Personen wurden erwähnt oder nur kurz, mit ein, zwei Sätzen beschrieben, sodass man keine richtige Beziehung zu ihnen aufbauen kann und es schwer fällt, die Figuren auseinanderzuhalten. Nach einiger Zeit habe ich es auch nicht mehr versucht. 
Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich (dann aber so richtig!) mit den Hauptfiguren angefreundet hatte. Schließlich ist es aber gelungen und je mehr mir die Figuren ans Herz gewachsen sind, desto spannender empfand ich auch die Handlung!

Immer wieder sind der erzählten Handlung Passagen aus der Sicht der erwachsenen Tochter eingeschoben. Auch Briefe und sogar Dokumente, lauter Sachen, die den Text auflockern und abwechslungsreich machen. Besonders gut fand ich auch die Einschübe im Dialekt, wenn sich zum Beispiel zwei ältere Herrschaften auf schwäbisch über den Faschingsumzug unterhalten.

Besonders gelungen fand ich das Ende, bei dem die ganze Situation, der das mittlerweilen erwachsen gewordene Kind ausgesetzt ist, so wunderschön wiedergegeben wird und zum Beispiel Jahreszeiten so schön und anschaulich beschrieben werden, dass man das Gefühl hat das Herbstlaub oder den Sommerregen riechen zu können. Ich liebe sowas!

Was soll ich sagen, das Buch war gut geschrieben und flüssig zu lesen... Endültig überzeugt hatte es mich spätestens in der Mitte. Da kam doch tatsächlich eine Stelle, an der ich fast in Tränen ausgebrochen wäre...
Bücher, die mich zu Tränen rühren können, haben bei mir ja fast automatisch immer schon mindestens einen Pluspunkt, Der bulgarische Arzt bekommt von mir vier Hütchen.



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