Micaela Jary - Das Haus am Alsterufer

"Ich habe meinen Bekanntenkreis erweitert. Demnächst werde ich mich verloben. Mein künftiger Gemahl hat zwar noch nicht um meine Hand angehalten, aber ich weiß ganz genau, dass ich diesen Mann heiraten werde." S.11


Verlag: Goldmann
Seiten: 574

Warum dieses Buch: In diesem Fall ist das eine sehr gute Frage. Bei Lovelybooks gab es eine Leserunde zu dem Buch und ein paar Exemplare zu gewinnen. Ich hab mich eigentlich ohne viel nachzudenken dazu entschieden mitzumachen, obwohl solche Familiensagas gar nicht zu meinen bevorzugten Genres zählen. Ich habe tatsächlich gewonnen und meine erste Leserunde bestritten. Und das hat übrigens sehr viel Spaß gemacht!

Das sagt der Klappentext: Hamburg 1911: Nur widerstrebend stimmt der verwitwete Reeder Victor Dornhain der Heirat seiner Tochter Lavinia mit dem Architekten Konrad Michaelis zu. Niemand in der Familie ahnt, dass Lavinias Schwester, die Malerin Nele, ihren Schwager liebt. Etwa zeitgleich wird die 16-jährige Klara Tießen als Hausmädchen bei Dornhains eingestellt. Nur Victor Dornhain und seine Mutter Charlotte wissen, dass Klara sein illegitimes Kind ist. Drei Jahre später bricht der Große Krieg aus und verändert alles: In der Tragödie erkennt Lavinia ihre wahre Bestimmung. Klara findet auf der Suche nach ihrer unbekannten Mutter den Mann ihres Lebens, und das Schicksal seiner Familie wird für den Reeder zu einer Frage der Ehre...

Das sage ich: Ich hatte zwar schon vor der Lektüre eine grobe Beschreibung des Buches gelesen, nicht aber den Klappentext. Und ich kann nur sagen: Das war sehr gut so! Der Klappentext enhält nämlich viel zu viele Informationen und kann so einiges an Spannung nehmen!

Natürlich wusste ich trotzdem ungefähr worum es geht: Eine Familie, der Vater ein erfolgreicher Reeder, im frühen 20. Jahrhundert und parallel eine Liebesgeschichte (eigentlich zwei!), die sich mal hierhin und mal dorthin entwickelt.

Und ich war umso überraschter, dass mich das Buch dann doch so sehr fesseln konnte! Ich hatte - das muss ich zugeben - etwas anderes erwartet: Nämlich einen Haufen wenigsagender Figuren, die man schwer auseinanderhalten kann und ständig durcheinanderbringt nebst seitenweisen langatmigen Beschreibungen irgendeines Astes, eines Hauses oder dgl. Solche Eindrücke hatte ich nämlich bereits bei anderen Werken dieses Genres. Ich setzte also meine ganze Hoffnung in den Schreibstil und dass er es doch irgendwie schaffe, Spannung zu erzeugen. In diesem Punkt wurde ich auch nicht enttäuscht, Spannung herrscht beim Lesen wirklich vor, und zwar nicht zu knapp, finde ich.

Aber auch sonst ist keine der anfangs befürchteten "Tiefen" eingetreten. Die Figurenanzahl waren überschaubar und von den Protagonisten war eine sympathischer als die andere. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass man bei einer Familiensaga aus dem 20. Jahrhundert so viel Identifikationspotential finden kann.
Langatmige Beschreibungen gab es auch nicht, alles wurde ausführlich genug aber keineswegs zu lang  beschrieben. Und dazu noch so anschaulich, dass es leicht war, sich in die jeweilige Jahreszeit oder Stimmung versetzt zu fühlen.

Kurz gesagt: Ich bin soo begeistert von dem Buch und hoffe inständig auf einen zweiten Teil. Denn der winzige Kritikpunkt den ich habe bezieht sich auf das Ende. Gut, es hätte schlimmer kommen können (ein total offenes Ende bei dem man nicht mal ansatzweise weiß, was aus den lieb gewonnenen Protagonisten wird... brrr!), aber ein paar Punkte am Ende sind nicht ganz geklärt, bleiben offen und werfen neue Fragen auf. Gerade so viel, dass man wirklich richtig neugierig wird, wie es mit den Personen weiter gehen würde..



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