Véronique Olmi - Das Glück, wie es hätte sein können

"Der Junge setzt sich hastig ans Klavier. Öffnet überstürzt den Deckel. Serge verlässt das Zimmer. Théo schließt langsam den Deckel. Er denkt an seine Wünsche. Schon lange schreibt er keine mehr auf. Ihm fällt nichts mehr ein." S. 209



Verlag: Antje Kunstmann Verlag
Seiten: 223
Originaltitel: Nous étions faits pour être heureux

Warum dieses Buch: Obwohl ich wie verrückt bei 1000 "Blogger-schenken-Lesefreude-Gewinnspielen teilgenommen habe, hab ich nicht ein einziges Buch gewonnen. Das stimmte mich traurig, doch dann bin ich auf die ganz tolle Seite vorablesen.de gestoßen... gleich beim ersten Leseeindruck hatte ich Glück und habe vom Verlag dieses Buch bekommen :)

Das sagt der Klappentext: Die Geschichte einer unwahrscheinlichen amour fou, einer versteckten, verleugneten Wahrheit.

Das sage ich: Suzanne und Serge haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Sie eine kinderlose Klavierstimmerin, er ein unzufriedener neureicher Familienvater mit einer sehr jungen Frau. Trotzdem verbindet die beiden etwas, sie fühlen sich zueinander hingezogen und gefährden damit die eigenen Beziehungen.




Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten und eines allwissenden Erzählers geschrieben. Der Erzähler war mir dabei ein bisschen ZU allwissend. Da wurden Gefühle und Eindrücke der Figuren beschrieben, die man im Normalfall nicht so detailliert wahrnimmt oder eher nicht beschreiben kann. Diese Art der Erzählung passte irgendwie nicht dazu, dass die Protagonisten - vor allem Serge - sich ihrer eigenen Gefühle eben nicht so klar waren.
Nicht immer war von Anfang an klar, aus wessen Sicht das Kapitel nun geschrieben ist und oft hatte ich den Eindruck die erzählenden Figuren wüssten hier etwas, das sie eigentlich gar nicht wissen können.

Sprachlich bemüht sich die Autorin sehr, jeden Satz möglichst bedeutungsschwanger wirken zu lassen. Grandios, um die anfängliche Stimmung zu beschreiben, aber später mitunter etwas anstrengend. "Der Tropfen des Schmerzes, der am Grat ihrer Nase hängen bleibt" ist einfach ein Tröpfchen zu viel... Vor allem, weil in der ersten Hälfte des Buches relativ wenig passiert, was die bildhaften Beschreibungen teilweise deplaziert wirken lässt.

Die Figuren boten leider nur wenig Identifikationsmöglichkeit, weswegen es bei mir ziemlich lange gedauert hat mich richtig auf das Buch einzulassen. Suzanne wirkt anfangs ziemlich teilnahmslos, Serge geradezu unsympathisch. Dann betrügen beide auch noch ihre jeweiligen Partner, was wegen mangelndem Identifikationspotential zusätzlich dazu beiträgt, dass man sie nicht mag.
Mit Fortschreiten der Handlung lernt man aber auch die Figuren besser kennen, denn es ist Teil der Handlung, dass Serge sich plötzlich auf seine Vergangenheit einlässt. Diese Geschichte in der Geschichte bringt viel Spannung und - besser spät als nie - gegen Ende mochte ich Serge dann doch ganz gern, da man endlich seine Motivation und den Grund seiner Probleme kennen lernt.

Obwohl die erste Hälfte von Das Glück, wie es hätte sein können also eher langatmig ist, hat es die Geschichte gegen Ende also doch noch geschafft, mich für sich zu gewinnen. Der Schreibstil schwankt zwischen "schön" und "eine Spur zu viel", es reicht aber für zwei Hexenhüte.



Kommentare