Kerstin Gier - Silber (Das erste Buch der Träume)

"Sie sah sich vorsichtig um, und ich fragte mich, was sie erwartete. Dass der Fürchterliche Freddy sich heimlich anschlich, um uns von hinten in den Popo zu zwicken?" S. 173



Verlag: Fischer FJB
Seiten: 416

Warum dieses Buch: Ich bin seinerzeit voll (und ich meine VOLL) auf die Edelsteintrilogie von Kerstin Gier reingekippt. So sehr, dass ich sie sogar - obwohl Jugendbuch und unseriös ätc. - der lieben Embla empfohlen habe. Da sie die Bücher auch gut fand, habe ich ihr zu irgendeiner Gelegenheit dieses Buch geschenkt und es nun von ihr geborgt bekommen. :)

Das sagt der Klappentext: Zögernd sah ich mich um. Ich war in einem Korridor gelandet, einem schier unendlich langen, mit zahllosen Türen rechts und links. Die Tür, durch die ich gekommen war, hatte einen Anstrich in sattem Grün, dunkle, altmodische Metallbeschläge, einen Briefschlitz aus dem gleichen Material und einen hübschen Messing-Türknauf in Form einer gekrümmten Eidechse.
Plötzlich war mir sonnenklar: Wenn ich wissen wollte, was es mit diesen rätselhaften Träumen auf sich hatte, dann musste ich sie öffnen. Und durchgehen.
Wenn ich den Mut dazu hatte.

Das sage ich: Eigentlich schreibe ich ja meistens nur wenig über die optische Aufmachung von Büchern. Diesesmal kann ich es aber nicht lassen: Schon das Cover von Silber finde ich ziemlich ansprechend, aber es wird noch viel toller, wenn man es aufschlägt!

Manche Seiten sind mit blumenrankenartigen Schnörkeln verziert. Das verleiht dem Buch die Leichtigkeit eines Bilderbuchs ohne ein Kinderbuch zu sein. Hach, ich kann mich nicht erwehren, ich finde es einfach schön :)

Das Buch selbst ist in der Ich-Perspektive geschrieben. Die Protagonistin Liv erzählt von ihren Erlebnissen. Zwischen den Kapiteln gibt es Blogeinträge (die übrigens - auch sehr ansprechend - ganz anders gestaltet sind als der restliche Text.) von einer unbekannten Schülerin unter dem Decknamen Secrecy. Über diese Einträge erhält man als Leser diverse Randinformationen, die, in der Ich-Perspektive von Liv vermittelt, wohl schnell relativ langweilig geworden wären. Außerdem gibt der Blog ein zusätzliches Rätsel auf: Denn bis zum Schluss erfährt man nicht, wer hinter Secrecy steckt. Ich habe allerdings einen Verdacht... schweige mich aber erstmal noch aus.
Der modernen Zeit angepasst muss es den Blog natürlich auch wirklich geben, alles andere wäre unausgeschöpftes Marketing-Potential. Also bitte: www.tittletattleblog.de

Am Ende des Buches gibt es außerdem ein Personenverzeichnis über das ich mich bestimmt freuen werde, wenn der nächste Teil erscheint und ich mich an diesen nicht mehr gut erinnern kann... 

Lange Vorrede, kommen wir zum Punkt: Ich habe absolut NICHTS an diesem Buch auszusetzen. Jede kleinste Kritik, die ich in mein Notizbuch gekritzelt hatte, musste/konnte ich spätestens zwei Seiten später wieder relativieren.
So fehlt zum Beispiel völlig das irrationale, nervige Verhalten, das wir unter anderem von der guten Twilight-Bella kennen und das in diesem Genre sehr beliebt zu sein scheint: Es gibt ein Missverständnis, die Protagonistin ist böse - aber statt in zwei kurzen Sätzen dieses Missverständnis aus der Welt zu räumen, redet man erst mal ein paar Monate nicht mit dem Anderen und beschwört so weitere Krisen und nervenzerreißende Situationen hervor.
Auch andere merkwürdige Überreaktionen kommen mir in den Sinn...die Protagonistin Liv, das Käsemädchen in Silber legt nichts dergleichen an den Tag. Kurz scheint sich einmal eine solche Situation anzubahnen, es entspann sich ein Missverständnis... und völlig realistisch wurde dieses Missverständis nach wenigen Zeilen durch normales zwischenmenschliches Verhalten, nämlich durch REDEN aus der Welt geschaffen. Yay!!!

Auch ein weiterer Kritikpunkt konnte im Verlauf der Handlung nicht bestehen: Zu Anfang fand ich noch die Charakterzeichnung der männlichen Hauptfiguren ziemlich schwammig und hatte das Gefühl, dass sie alle in meiner Vorstellung zu einer einzigen Figur verkamen. Doch nach und nach hat sich das gelegt. Wenn ich auch finde, dass diese Jungs etwas mehr individuelle Charakterzüge vertragen hätten, reicht das nicht für einen gestandenen und richtig ausformulierten Minuspunkt.

Silber ist mit dem (zugegebenermaßen bereits durch die Edelstein-Trilogie bekannten) Humor zwischen den Zeilen geschrieben, der das Lesen wirklich so richtig unterhaltsam macht und obendrein handelt es von einem meiner Lieblingsthemen (Träume) und ist auch noch spannend...

Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung und gebe Silber eindeutig fünf Hexenhüte





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