Herausgekramt: Huldar Breiðfjörð - Liebe Isländer

Diesen Beitrag habe ich vor längerer Zeit mal geschrieben und gerade wieder entdeckt. Da ich finde, dass diese Rezension meinen Leseeindruck unglaublich gut wiederspiegelt (schlagartig ist mir wieder eingefallen, wann ich das Buch gelesen habe und wie ich es im Detail fand...), habe ich mich entschlossen ihn euch nicht vorzuenthalten:




Liebe Isländer. Isländer sind lieb. Das ist, was uns das Buch mit dem Titel vermitteln will. Wird wohl auch stimmen. Vielleicht bin ich einfach voreingenommen, weil ich mich viel, viel, viel mit isländischer Literatur auseinandersetzen musste, aber da ich nicht aus meiner Haut kann, und meine Rezensionen ja mein persönliches Leseerlebnis wiederspiegeln sollen kann ich nur sagen:
Liebe Isländer hat alles, was so gut wie jeder andere isländische Roman auch zu bieten hat: Kritik am eigenen Land, vor allem am Wetter. Beschreibungen der Natur und Klagelieder über das Wetter. Bezüge zu den vereinigten Staaten, die das Land im zweiten Weltkrieg "besetzt" haben; will sagen eine Militärbasis auf der Insel unterhielten. Erwähnungen von Elfen, Björk, Laxness, Gusgus und allen anderen. Du meine Güte, kann nicht einmal ein isländischer Roman ohne diese Dinge auskommen? Langsam kennen auch wir Festlandeuropäer das, vielen Dank.


Was die Handlung angeht... Ein großes Lob an die realistische Darstellung. Der Protagonist fährt aus ihm selbst und allen anderen nicht ganz eindeutigen Motiven - wahrscheinlich will er sich selbst finden - im Winter eine Runde um die Insel und hält sich dabei in den größeren Orten auf. Wer schon mal in Island war, weiß, dass diese Orte zwar alle ihren Charme haben, aber dann doch eher mehr so nichts passiert, dort am Lande. Und genau das passiert dann auch im Roman. Nämlich nichts. Die spannenden Passagen, die Gefahr und Nervenkitzel für den Leser bieten, beschränken sich auf vielleicht fünf Seiten. Sonst nichts. Gletscher, Schafe, alte Leute. Und nichts.
Aber genau das ist es wohl auch, was den Charme dieses Buches ausmacht, denn Island wurde damit sehr treffend beschrieben. Nicht falsch verstehen, ich mag Island! Ich mag die Leute, die Landschaft und die Schafe! Aber wenn ich mich dort aufhalte, bleibe ich in Reykjavík oder meinetwegen in Akureyri und fahre zum Entspannen aufs Land, damit einfach einmal nichts passiert. Aber ich schreibe keine Bücher darüber. Da würde mir einfach, hört, hört! zu wenig passieren.
Für Islandliebhaber wie mich mag das Buch geeignet sein... Gerade, wer schon einmal dort war (oder die Ringrunde vielleicht selbst gerade fährt!), verbindet mit den kleinen Örtchen ja eigene mehr oder weniger spannende Geschichten und freut sich darauf die kleinen Kirchchen und Häuschen in der Erzählung wiederzufinden. Spannungsfanatische Krimileser sollten aber die Finger davon lassen. Naja, ist ja auch kein Krimi, also halb so schlimm.
Gelungen ist das Buch auf jeden Fall, denn ich denke, der Autor hat genau das erreich was er wollte, nämlich, eine literarische Beschreibung des Landes. Eigentlich auch klar, dass er dabei die typisch isländischen Motive verwenden muss... Die Erwartungshaltung! DAMDAMDAM. Und sprachlich, glaube ich, ist der Roman auch sehr gelungen. Die anfangs ungewohnten Wechsel in die zweite Person gewinnt man zum Schluss richtig lieb. Erinnert haben sie mich an Butor, den ich ja auch lieb habe. Also ein sehr liebes Buch, wenn es in die richtigen Hände gerät. (:


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