Amanda Hocking - Vereint (Die Tochter der Tryll 03)

"Ich starrte aus dem Fenster und hatte den Anwesenden den Rücken zugewandt, denn so lenkte ich die Aufmerksamkeit aller auf mich." S. 7 (erster Satz)




Verlag: cbt
Seiten: 352

Warum dieses Buch: Vereint ist der letzte Teil der "Die Tochter der Tryll"-Trilogie. Den ersten Teil (Verborgen) habe ich gekauft, weil ich das Cover so schön fand. Ich fand die ersten beiden Teile ganz okay, ich mochte die Welt, die Hocking erschaffen hat und mit vereinzelten Eigenschaften der Protagonistin konnte ich mich ganz gut identifizieren... Leider habe ich viel zu lange mit dem dritten Teil gewartet, sodass ich die ersten beiden schon fast wieder vergessen hatte. (Gut, dass ich seit einiger Zeit Inhaltsangaben über alle gelesenen Bücher schreibe! ;))






Da es sich um den letzten Teil einer Trilogie handelt, enthält schon der Klappentext Spoiler und ich bin nicht sicher, ob ich in der Rezension selbst ohne auskomme. Also seid euch dessen bewusst, wenn ihr auf weiterlesen klickt...


Das sagt der Klappentext: Wendys achtzehnter Geburtstag steht kurz bevor - und ihre Vernunftheirat mit Tove. Dabei droht ein Krieg am Horizont der Tryll: Sie erwarten jeden Moment den Angriff der verfeindeten Vittra. Da erreicht Loki die Tore von Förening - zu Tode erschöpft und voller Wunden - und bittet um Amnestie. Gegen den erbitterten Widerstand von Finn willigt Wendy ein. Als sich die Lage zuspitzt, setzt Wendy alles auf eine Karte. Wird ihr Opfer reichen, um die zu retten, die sie liebt?

Das sage ich: Wendy ist also eine Angehörige der Tryll, einer Art Trollstamm - Trolle, die aber ganz anders sind, als man sie sich vorstellt. Nichts von unbezähmbarer Körperbehaarung und rauen Manieren. Die Tryll (und auch die anderen Trollstämme) sehen aus wie normale Menschen. Aber sie verfügen über gewisse Fähigkeiten, können zum Beispiel mit ihrem Geist Gegenstände bewegen, den Wind lenken oder in die Zukunft sehen und solch lustige Dinge. Sie ernähren sich außerdem hauptsächlich von rohem Obst und Gemüse, alles was industriell bearbeitet wurde, schmeckt ihnen einfach nicht.
Ich glaube, es war vor allem diese seltsame Art der Naturverbundenheit, dass ich die ersten beiden Teile der Trilogie ganz gern gelesen habe. Es war einfach mal was anderes. Trolle, die gar keine Trolle im herkömmlichen Sinne sind und Naturverbundenheit bei anderen Wesen als den ewig gefeierten Elfen. Fand ich gut!
Wie aber bereits angedeutet, habe ich etwas zu lange gewartet, bis ich den dritten Teil gelesen habe. Vielleicht war das der Grund, warum ich mich nicht so richtig auf die Geschichte in Vereint einlassen konnte. (Darum habe ich wohl auch so eeeewig dran gelesen...). Die meisten Charaktere waren mir zwar noch ein Begriff, aber ich wusste nicht mehr genau was sie so besonders macht und da das auch nicht mal ansatzweise wiederholt wurde, waren mir die Nebenfiguren die ganze Zeit relativ egal. Die Protagonistin Wendy war aber ganz gut dargestellt, jedenfalls ist mir nicht schwergefallen, mich mit ihr zu identifizieren und ein bisschen mit ihr mitzufiebern. Aber leider nur ein bisschen.

Ihre Motive und Gefühle sind zwar meist sehr deutlich beschrieben, aber teilweise etwas überdramatisiert. Und das mag ich gar nicht: Ein kleiner Faupax, der mit einem fünfminütigen Gespräch aus der Welt geräumt wäre, wird hochgeschaukelt und zum Riesenproblem gemacht. Blubb. Das ist aber gar nicht so unverständlich, bedenkt man, was in Vereint alles passiert. Das ist nämlich nicht besonders viel.

Überwiegend geht es um politische Angelegenheiten und ich persönlich mag Politik schon in der wirklichen Welt nicht. Das konnte mich also nicht so recht fesseln. Die Liebesgeschichte konnte es schon mehr, aber gerade in diesem Punkt konnte ich so manche Motive Wendys nicht recht nachvollziehen.

Am Schlimmsten war aber, dass die Geschichte so dahinplätschert, dass man das Gefühl hat, alles ende in einem großen Kampf, einem Aufstand, einem Krieg, sowas in der Art. Man erwartet einen spannenden und nervenzerreißenden Schlussteil. Und der kommt nicht. Der Teil, auf den man fast 300 Seiten hingelesen hat, wird in zwei Seiten äußerst (und ich meine ÄUSSERST) unspektakulär abgehandelt. Da man danach aber noch immer vierzig Seiten vor sich hat, besteht an diesem Punkt noch Hoffnung... die aber im Keim erstickt wird. Die letzten Seiten hätte man auch weglassen oder einfach NICHT lesen können. Denn da passiert noch weniger, als im Rest des Buches.

Einen Kritikpunkt muss ich außerdem noch anbringen. Aber mir fehlen die Worte um es zu umschreiben: WIESO FÄHRT MAN MIT EINEM AUTO IN EINEN KRIEG????? Und wenn das schon so sein muss, WIESO MUSS DIE AUTORIN NOCH BETONEN; DASS ES SICH NICHT EINFACH NUR UM EIN AUTO SONDERN UM EINEN CADILLAC HANDELT???
Einfach. nur. unpassend.

So. jetzt ist alles raus. Obwohl sich diese Rezension gar so negativ liest, fand ich das Buch eigentlich nicht SO schlecht. Ein bisschen langweilig, ja, aber nicht so sterbenslangweilig, dass man mittendrin aufhören möchte. Es plätschert halt so dahin und es wirkt ja auch so, als könnte jeden Moment etwas passieren, ich habe also immer ganz gerne weitergelesen. So *richtig* spannend wird es halt einfach nicht. Es reicht trotzdem für zwei Hexenhüte: (wenn das Buch nach dem unspektakulären Ende auch tatsächlich enden würde und die bereits erwähnten vierzig Seiten Epilog nicht wären, hätte ich ihm sogar drei gegeben!)


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