Caragh O'Brien - das land der verlorenen träume

"Wir sollten mehr Hühner züchten, dachte sie. Ein kleines Küken pickte sich den Weg aus seiner Schale, dann aber pickte es auf einmal an ihrem Augenlid. Das ging doch nicht! Sie konnte doch keine Küken in den Augen gebrauchen..." (S. 403)


Verlag: Heyne
Seiten: 492


Warum dieses Buch: Weil es der zweite Teil der Birthmarked Trilogie ist und mir der erste sehr gute gefallen hat.

Das sagt der Klappentext: Die junge Gaia hat alles verloren. Ihr Zuhause, ihre Eltern, ihre große Liebe.Nun streift sie auf der Suche nach einer neuen Heimat durch ihre zerstörte Welt. Eine Welt, die noch viele weitere Gefahren birgt...

Das sage ich: - Vorsicht! Da es sich bei diesem Buch um die Fortsetzung von die Stadt der verschwundenen Kinder handelt, wird der folgende Bericht wohl Spoiler enthalten und ich empfehle das Lesen nur, wenn man den ersten Teil schon gelesen hat oder sowieso nichts davon lesen möchte.

So weit so gut. Womit fange ich bloß an?
Ich falle einfach mit der Tür ins Haus: Ich fand den zweiten Teil der Trilogie einfach nicht gut. Ich frage mich natürlich, ob es an meiner Stimmung lag oder tatsächlich an dem Buch, ich kann es nicht herausfinden. Was hat mich also so gestört?

Zuallervorderst fand ich die Darstellung der Hauptfigur Gaia in diesem Teil sehr verwirrend. Während ich im ersten Teil nachvollziehen konnte, was ihr durch den Kopf geht und wie sie sich fühlt, habe ich in das land der verlorenen träume so gar nicht verstanden, warum sie sich so aufführt, wie sie sich aufführt.
Durch die Handlung wurde am Ende zwar klar, in was für einem gravierenden inneren Konflikt sie sich befunden hat, aber beim Lesen wurde das gar nicht deutlich.
Ebenso hätte man aus der Krankheit Gaias und vor allem aus ihren Halluzinationen wesentlich mehr herausholen können...

Auch Leon verhält sich äußerst verrückt. An einem Tag ist er bitter- und ich meine BITTERböse auf Gaia, sodass man meint, er hätte sich grundlegend geändert... und am nächsten Tag findet er es wieder großartig sie übers Wasser zu tragen. Dass Figuren ihre Meinung ändern mag ja in Ordnung sein und selbstverständlich muss man auch nicht von jeder Figur jeden kleinen Gefühlsausbruch nachvollziehen können... aber ich habe während des GANZEN BUCHES gedacht, Leon würde zu den Bösen gehören und Gaia bei nächster Gelegenheit umbringen. Das war echt verstörend. Und hat mich gestört. Punkt.

Weil ich gerade so schön am Lästern bin muss ich sagen, dass gewisse Punkte einfach aus dem ersten Teil genommen, ein wenig abgeändert und wiederverwendet wurden. Das wäre nicht nötig gewesen. Was hat Gaias Familie nur bloß mit Geheimschriften? Himmelherrgott.

Und zu guter Letzt gibt es noch zwei Beschreibungen von Dingen, die ich persönlich gleichermaßen bescheuert finde: Fußball und Kotzen. Viel zu detailliert und lang, nein, nichts für mich. bäh.

Na gut. Wer schon auf die Tags geschaut hat, wird sehen, dass das Buch von mir trotzdem drei Hexenhüte bekommen hat. Also möchte ich auch die Punkte, die ich als positiv empfunden habe nicht vorenthalten: Auch wenn ich den ersten Teil im Ganzen als wesentlich spannender emfpunden habe, hatte auch das land der verlorenen träume durchaus spannende Züge. Diese Mischung aus gespannt-sein und gelangweilt-sein, aus lachen und weinen, war insgesamt schon eine ganz gute.

Ich bin außerdem ein großer Fan von der Darstellung der Weiblichkeit in diesem Buch. Dass der weibliche Körper etwas besonderes ist und Frauen untereinander irgendwie verbunden sind, dass sich jede gern um die Kinder der anderen kümmern würde.... Ein schönes Konzept, finde ich.

Darum gebe ich dem land der verlorenen träume drei Hexenhüte. Ich werde mir den dritten Teil allerdings erst kaufen, wenn er als Taschenbuch erscheint. Das sollte im März sein, also werde ich ihn mir zum Geburtstag schenken lassen :)


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